Panikattacken erkennen, annehmen, behandeln

Ganz ehrlich, es gibt Momente im Leben, die braucht kein Mensch. Zum Beispiel den Moment einer Panikattacke – den braucht wirklich niemand. Wenn es dir aber trotzdem passiert, ist es gut Hilfe zu haben.

Ich bin kein Arzt – aber ich brauche einen

Einen groben Eindruck davon, was eine „echte Panikattacke“ ausmacht erhaltet ihr zum Beispiel in diesem Artikel der auf Refinery 29 erschien. Meiner Meinung nach erklärt dieser Artikel zumindest im Ansatz das, was ich als Patient erlebe.

Angst. Pure Angst.

Der Begriff „Panikattacke“ wird mir teilweise zwar zu inflationär verwendet was mich ärgert. Andererseits sollten Betroffene um jede Aufmerksamkeit für dieses Thema dankbar sein. Denn erst wenn der Begriff in der Mitte unserer Gesellschaft ankommt, wird es endlich kein Tabu mehr sein, über seine psychische Erkrankung zu sprechen. Dann wird man kein Exot mehr sein, sich vielleicht auch nicht mehr wie ein Versager fühlen. Denn genau so fühlt es sich lange Zeit für mich an. Alle sind normal – nur ich nicht.

Meine Angststörung begann vor etlichen Jahren, ich kann nicht einmal mehr sagen, wann genau. Vermutlich aber bereits mit 17 oder 18 Jahren. Sie bezieht sich ganz grob darauf, dass ich denke bewusstlos zu werden. Werde ich aber nicht!*

Allerdings wusste ich lange Zeit nicht, dass ich unter einer „unsichtbaren“ Krankheit leide. Nicht nur ich, sondern mit mir sicher 10-12 Ärzte waren der Meinung, ich hätte einfach einen schwachen Kreislauf und das mache mir zu schaffen. Als Kind wurde ich oft bewusstlos, völlig aus dem Nichts heraus. Und diese Angst vor der Bewusstlosigkeit, der Schwäche, des ausgeliefert seins,… diese Angst brannte sich wohl ein klein bisschen zu tief in meine Synapsen. Fortan litt ich unter der Angst vor meinen „Kreislauf-problemen“. All das weiß ich allerdings erst heute.

* als Kind (2-18 Jahre) wurde ich sehr häufig bewusstlos. Die Angst war also nicht gänzlich absurd.

Der harte Weg der Erkenntnis

Nichts ist schwerer, als sich selbst Schwäche einzugestehen, sich die Schwäche auch wirklich zu erlauben! Als ich mit Anfang 20 mehrmals mitten auf der Autobahn stoppen musste wurde mir langsam bewusst, dass da etwas gewaltig schief läuft. Bis ich das erste Mal einen Arzt aufsuchte vergingen trotzdem Monate. Zu diesem Zeitpunkt stieg ich nicht mehr in mein Auto, ging teilweise nicht mal mehr aus dem Haus.

Ich meldete mich immer häufiger krank, weil mir der 50-minütige Weg einfach viel zu lang und unüberwindbar vorkam. Zuhause war ich sicher, ich konnte ich sein. Faul, ungeduscht, Kippe und Energydrink in den Händen, der TV Tag und Nacht eingeschaltet. Denn Stille konnte ich nicht ertragen. Ich wollte alleine sein, aber auch nicht zu allein. Es war ein ständiges vor mir selbst verstecken.

Irgendwann ging es einfach nicht mehr. Ständig hatte ich Angst. Erst ein leises kribbeln am Rücken, dann eine Enge in der Brust, als säße ein Mammut darauf. Schweiß, Herzrasen, weiche Knie. Irgendwann wurde ich zum Psychologen überwiesen. „Depressive Episode“ (einen Test findet ihr hier) stand auf der Überweisung. Schwarz auf rosa, es war die Hölle für mich. Schließlich wollte ich doch kein Psycho sein! Okay.. Ich hatte schon einige Zeit vermutet, dass da oben was nicht stimmt. Aber es schwarz auf weiss (oder eben schwarz auf rosa) zu lesen, war ein Schlag ins Gesicht. Bis ich das erste Mal einen Psychologen aufsuchte vergingen noch mal einige Wochen. Die Ärztin war nett, verständnisvoll, aber auch sehr klar in ihren Aussagen:

„Sie sind krank und das werden sie sich eingestehen müssen. Das Gute ist aber, dass man Depressionen und Ängste in den Griff bekommen kann. Sie sind krank, aber sie werden wieder gesund!“

Medikamente und Therapie

Kurz nach meiner ersten Diagnose begann ich ein Antidepressivum einzunehmen. Für den Notfall hatte ich zusätzlich ein Beruhigungsmittel im Haus, das ich aber nur ein Mal nahm. Für „meinen Geschmack“ war das zu heftig. Wichtig ist – lasst euch helfen! Lasst es zu, dass euch Medikamente helfen, denn ihr habt ein Recht darauf. Ich habe mir lange Zeit vorgeworfen, es nicht alleine geschafft zu haben. Aber jetzt mal ehrlich – einem Herzpatienten sagt doch auch niemand: „Stell dich doch nicht so an. Wenn du dich bemühst, dass schlägt dein Herz sicher wieder ganz normal. Du musst es nur wollen“.

Die Therapie startete ich fast zeitgleich und blieb 3 Jahre dort in Behandlung. Meine Ärztin und unsere wöchentlichen Termine wurden für mich zum festen Bestandteil meines Lebens, während die Tabletten irgendwann wieder daraus verschwanden.

 

Heute bin ich wieder in Behandlung und nehme wieder ein Medikament. Durch die Schwangerschaft, die schwere Geburt (das meine ich wörtlich!) und die schlimmen Panikattacken bin ich derzeit einfach nur happy darüber, dass ich diese Möglichkeit habe. Die Therapie mache ich weiter und auch auf die Tabletten werde ich vorerst nicht verzichten. Warum auch?

Meine Notfall-Tipps

Wenn es hart auf hart kommt, gibt es einige Dinge, die mir helfen. Das absolut wichtigste ist aber, Hilfe anzunehmen. Trau dich. Was mir bisher schon geholfen hat:

  • Vertraue Dich jemandem an, der WIRKLICH Verständnis für dich hat und dir JEDERZEIT zur Seite steht
  • Mach dir klar, dass die Angst jetzt zwar da ist, dass sie sch***e ist, ABER dass sie auch wieder verschwindet
  • Lege deine flache Hand mit der Handfläche auf deinen Bauchnabel und atme bewusst „gegen“ deine Handfläche
  • Mir helfen „Rescue Tropfen“ von Dr. Bach sehr gut
Photo by DANNY G on Unsplash
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